Was wollen wir morgen essen? 

Eine Verbraucher­gemeinschaft für Kreischa

Ein Bericht über die Veranstaltung am 22.1.2020 und den Runden Tisch am 4.2.2020 von Frieder Zimmermann und Kathrin Jacob

Am 22. Januar 2020 fand im Vereinshaus Kreischa eine Veranstaltung zur geplanten Verbrauchergemeinschaft statt. Wir haben vier Referenten eingeladen, die dem zahlreich erschienenen Publikum ihre Form der Verbrauchergemeinschaft (VG) in einem kurzen Impulsvortrag nahebrachten.

Pioniere aus Dresden

Den Anfang machte Barbara Rische von der Dresdner Verbrauchergemeinschaft, die unterdessen 11000 Mitglieder zählt, 140 Mitarbeiter beschäftigt und bei der ca. 90 Direktlieferanten regionale und ökologische Lebensmittel bereitstellen. Die Dresdner VG existiert seit 1991 und Frau Rische skizzierte den Werdegang, auftretende Probleme als auch Lösungen.

Meißner Verein

Als nächstes berichteten Holger Schill gemeinsam mit seiner Frau von der VG Meißen, einem bedeutend kleineren Unternehmen, dass unserem Vorhaben in Kreischa viel eher gleicht. In Meißen versorgen sich ca. 30 Familien seit 1994 regional und ökologisch, der kleine Laden hat eine wechselvolle Geschichte, unterbrochen durch Hochwasserbedingte Umzügen. In Meißen wurde die Rechtsform eines Vereins gewählt, was sowohl Vorteile als auch Nachteile hat.

Bioladen in Tharandt

Nadja Müller, die ehemals die ökologische Landwirtschaft in der Helene Meyer Stiftung in Theisewitz gemeinsam mit ihrem Mann Christoph leitete, betreibt unterdessen einen kleinen Bioladen in Tharandt, der ähnlich den vorgestellten VGs ein Zweipreismodell anbietet. Sie schilderte anschaulich welche Schritte für sie nötig waren, ihre Idee umzusetzen und wie der Laden jetzt wirtschaftet.  

Online-Plattform

Zum Schluss kam noch ein vollkommen anderes Model zur Sprache. Fanny Schiel aus Dresden stellte das Projekt Marktschwärmer vor. Bei diesem Modell gibt es einen wöchentlich stattfindenden Markt, der ca. 2 Stunden dauert und die Konsumenten mit den Produzenten direkt zusammenbringt. Bestellt und bezahlt wird im Voraus über die Marktschwärmer Website, der Produzent bringt genau das mit, was bestellt wurde und es gibt keinen Geld Austausch auf dem Markt. Für dieses Projekt bedarf es eines Raumes (aber eben nur für 2 Stunden die Woche) und eines so genannten Gastgebers, der das ganze organisiert.

Und in Kreischa?

Alle vier Referenten, die unterschiedliche und interessante VG-Modelle vorstellten, wirkten inspirierend. Im Anschluss an die Impulsvorträge zeichnete sich in der folgenden Auseinandersetzung mit der Thematik allerdings die Tendenz ab, dass ein Ladenmodell für uns in Kreischa präferiert wird. Am besten ein Laden mit Bistro, ähnlich dem in Tharandt. Ein Zweipreismodell fand Anklang, so dass nicht nur VG-Mitglieder einkaufen können und eine Öffnung und Öffentlichkeit ermöglicht.

Neben dem Thema Struktur der VG (also Verein, Genossenschaft, Laden oder eben private Initiative) wurde an den anderen Tischen über die Raumsuche wie auch die Kontakte mit den Produzenten gesprochen.  Die Liste an möglichen Standorten ist gewachsen und es wird die sich zeigen, wie schnell die Initiative Realität wird und ein Laden gemietet werden kann.

Der Vorschlag, nicht nur ökologisch erzeugte, sondern und vor allem regionale Produkte anzubieten, fand allgemeine Zustimmung. Es gab viele Vorschläge zu Erzeugern in der näheren und weiteren Umgebung, zu denen wir in einem nächsten Schritt konkret Kontakt aufnehmen werden. Klar geworden ist auch, dass wir uns mit den regionalen BIO-Läden und VGs vernetzen müssen, um Lieferanten, Anlieferungen, Mengen etc. abzustimmen und im gegenseitigen Vorteil zu nutzen.

1. Runder Tisch zur VG Kreischa

Am folgenden sehr gut besuchten Runden Tisch am 4. Februar 2020 in der Bürgerstiftung konnten wir eine Arbeitsgruppe VG gründen. Zu unserer großen Freude hat sich Herr Zschocher aus Quohren bereit erklärt, die VG Idee mit Nachdruck und Engagement als Koordinator weiter zu verfolgen, auch andere haben ihre praktische Hilfe angeboten. Wir können also hoffen, dass die Verbrauchergemeinschaft bald Realität wird. Wir werden auf unserer Website informieren, wie es weiter geht.

Am runden Tisch wurden weiterhin Ideen gesammelt und diskutiert, welche Zusammenarbeit es mit den Kindergärten geben kann und wie diese aussehen kann. Frau Funke, die Kita-Leiterin konnte viele Ideen mitnehmen, angefangen von essbaren Wegen über eine enge Zusammenarbeit mit den Seniorinnen und Senioren der Gemeinde bis hin zu einer Baumpflanzaktion.

Zum Schluss haben wir uns noch mit Planungen beschäftigt, welche Projekte wir in der nahen Zukunft angehen wollen. Neben Fragen der Mobilität, die wir beim nächsten runden Tisch in der Bürgerstiftung am 4.3. 19.30 Uhr erörtern wollen, werden wir uns auf praktische gärtnerische Projekte konzentrieren. Dazu auch hier bald mehr Informationen.

Termine

Kurs Permakultur – Teil II

  • Samstag, 19. September 2020 / 14–18 Uhr
  • Thema: Mulchsysteme und Anpflanzungen von Baum und Strauch
  • Ort: Taorus Alpintechnik, Torsten Reimer, Klein-Kautzsch 3, 01731 Kreischa

Der Kurs ist auf 20 Personen beschränkt 
Voranmeldung bitte per E-Mail bis zum 12. September 2020

Teilnehmergebühr: 15,— € pro Person. Falls jemand nicht in der Lage ist, dieses Geld aufzubringen und trotzdem gern teilnehmen möchte, bitten wir um kurze Nachricht, wir finden dann eine Lösung.

Wir freuen uns auf Sie und Ihre Ideen!

André Spindler und Frieder Zimmermann